MyMovements

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Fake it till you make it. 

Dieser Satz wirkt wie ein inneres Mantra, wenn ich mal wieder völlig überfordert umherlaufe und das Gefühl habe hier völlig falsch zu sein. Fragen werden mir zugerufen, ich suche nach der Antwort in der Fülle an Informationen, die in meinem Kopf umherschwirren, während ich lächelnd Gegenfragen stelle. Sei souverän, sei professionell, lass dir nichts anmerken! Die Worte pressen sich durch meine Lippen, die Person mir gegenüber lächelt zufrieden. Ich atme erleichtert auf. Meine neuronalen Verknüpfungen haben wohl die richtige Antwort herausgefiltert. Ich gehe weiter, nun muss ich abliefern. Vor meinem inneren Auge erscheint mein Plan, Ideen, die sich zu Gedanken geformt haben, die nun in einer Struktur zusammengesetzt auf dem Weg in die Außenwelt sind. Jetzt gibt’s kein Zurück mehr, kein Hinterfragen, machen. Während die strukturierten Ideen in Form von Gedanken zu Taten werden, beginne ich zu zweifeln. Was hast du dir dabei gedacht? Hättest du nicht noch mehr Gedanken formen können, andere, bessere? All diese Zweifel schreien laut in meinem Kopf, während ich weiter Gedanken zu Taten werden lasse. Taten, die ich gelernt habe, wieder und wieder, die ich routiniert abliefere, Tag für Tag. Dennoch diese Zweifel, die so unglaublich laut schreien. 45 Minuten später, lächelnde Gesichter schauen mich an, bedanken sich, und schon wieder die Bestätigung, dass meine neuronalen Verknüpfungen wohl die richtigen Gedanken geformt haben. Eine Person geht mürrisch aus dem Raum, eine Person, die mich nicht anlächelt, nichts sagt. Und genau diese Person füttert meine schreienden Zweifel, die wie Benzin lodernd in Flammen aufgehen. Nun verbreiten sich die Zweifel wie Lauffeuer, lassen alles brennen. Ich beginne an allem zu zweifeln, nicht nur an meinem Wissen, ich stelle meine zwischenmenschlichen Beziehungen, meine Einstellungen, meine Werte, meine Persönlichkeit in Frage. Was kann ich? Wer bin ich? Das alle geschieht binnen Minuten. Noch vier Stunden, bis ich mich mit alldem in mein Bett verkriechen kann. Wie soll ich Fragen beantworten und meine Ideen zu Taten werden lassen, wenn ich gerade überhaupt nicht an mich selbst glaube. Du hast keine Wahl, du musst jetzt abliefern. Also machst du weiter, lächelst, lässt Worte über deine Lippen, von denen du keine Ahnung hast, machst Dinge, von denen du nicht überzeugt bist. Fake it till you make it. 

Ich hoffe, dass keine Fragen mehr gestellt werden. Ich hoffe, dass nichts Ungewöhnliches passiert. Natürlich werden noch Fragen gesellt in den letzten 30 Minuten, natürlich passiert noch etwas Ungewöhnliches.  Dieses Ungewöhnliche weckt mich auf, meine Synapsen schalten plötzlich schnell. Ein Gedanke formt den anderen, Worte sprudeln aus mir heraus, von denen ich nicht wusste, dass ich sie kannte. Adrenalin strömt durch meine Adern. Ich funktioniere, ohne nachzudenken. Ich weiß einfach was zu tun ist, aber nicht wie vorher, wo Zweifel mein Wissen überschattet haben. Nein, dieses Mal bestätigt mir eine undefinierte Gewissheit, dass es stimmt.

Genau das ist Punkt, sobald die Zweifel aufhören, zu dominieren und Mut gemischt mit Selbstbewusstsein, dein Handeln bestimmen, bist du authentisch und lernst mit jedem geformten Gedanken, mit jeder strukturierten Tat dazu. 

Der Mix aus Mut und Selbstsicherheit wechselt sich immer wieder mit den Zweifeln ab. Es gibt Tage da schreien die Zweifel, als hätte man sie die ganze Zeit überhört. An anderen Tagen überwiegt der Cocktail aus Mut und Selbstsicherheit. Oder die zwei können sich nicht einigen und alles geschieht innerhalb weniger Minuten. 

Also Fake it till you make it.  Oder wie die Sozialpsychologin Amy Cuddy sagt, „Tu nicht so, als ob, bis du es kannst. Tu so, als ob, bis du es wirklich kannst“.