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Wie Konsumverhalten unsere Verbindung zur Natur beeinflusst

Samstag, 06. Juni.2026

Aufbruch nach Pandora

Avatar- Der Aufbruch nach Pandora. Diesen Film gibt es schon seit 2009, seit 15 Jahren und jetzt erst schaue ich ihn an. Meistens kommen die richtigen Geschichten immer zum richtigen Zeitpunkt in das eigene Leben. Pandora, die Welt der Avatare begegnete mir jetzt, mit Anfang 20. 

Die Avatare leben im Einklang mit der Natur, mit dem Herzschlag der großen Mutter Eywa. Dann kommen die Himmelsleute, wir Menschen, und zerstören alles. Klingt vertraut oder? Menschen zerstören sooft alles, um Macht und/oder Geld zu bekommen. Würde der Mensch die Natur, die große Mutter in ihrer wundervollen Größe anerkennen, wäre die Welt ein besserer Ort. Nein, der Mensch musste mit seiner tollen Intelligenz ein System schaffen, ein Industriezeitalter, eine Welt, in der der HomoSAPIENS in Hochhäusern lebt und von industriellem Essen und Smartphones genährt wird, ohne Sinn für den Augenblick. Die Grundeinstellung: Folge dem System. Eine Lebensweise, vom Menschen geschaffen, die dem Menschsein nicht ferner sein könnte. Wir werden mehr zu Robotern und checken es nicht. Menschen zerstören die Natur, das Leben, Gegenstände, Beziehungen, verletzen, um sich mächtiger zu fühlen. Gewehre, Maschinen und nicht zuletzt KI. Wir begannen damit, uns gegenseitig zu vernichten und jetzt lassen wir uns von unserer selbst kreierten künstlichen Intelligenz vernichten. Damit will ich nicht sagen, dass die KI oder andere wissenschaftlich-technologische Errungenschaften in vielen Bereichen nicht auch sehr hilfreich sind. Alles, was erfunden und entwickelt wird, hat seine Berechtigung und eine gewisse Relevanz. Doch kommt es auf die Auslegung und die Nutzung an. Dient es der Menschheit nur im Sinne von `höher, schneller, weiter` oder unterstützt es uns im Menschsein und der Gemeinschaft? 

Ich habe es selbst erlebt. Früher war ich selten am Handy, irgendwann wurde es mehr, um more up to date zu sein, mehr mitreden zu können, vor allem aber, um mit Menschen in Verbindung zu bleiben, aber zu welchem Preis? Freie Zeit zu opfern, die ich mit geliebten Menschen verbringen könnte, mit Lesen, meditieren, lachen, Sport etc. 

Andererseits ist es in der heutigen komplexen Welt ein Geschenk, das uns ermöglicht, egal wo wir sind, mit unseren Liebsten verbunden bleiben zu können. Auch hier kommt es wieder auf die Nutzung an: Unterstützt es mich und meine sozialen Kontakte oder verstecke ich mich hinter Chats, Sprachnachrichten und meinem Insta-Feed, um den realen Begegnungen zu entfliehen? Wie immer, ist auch hier die Balance wichtig. Schaffe ich es auch mal ein paar Stunden, ohne dass mich jemand erreichen kann? Schaffe ich es ein paar Stunden ohne schnelle Dopaminkicks? 

Wahrscheinlich würden die meisten hier mit „Nein“ antworten. Sind wir noch in der Lage mal NICHTS ZU TUN?

Durch unsere heutige konsumorientierte Lebensweise scheint dies fast unmöglich.  Materielle Güter, Fast Food, Drogen, Anerkennung etc. Wir leben nach dem Motto: `Höher, schneller, weiter`. Ohne Konsum würde das ganze System zusammenbrechen. Bei jeder Art von Konsum wird Dopamin ausgeschüttet, das unser Belohnungssystem füttert. Wir fühlen uns gut und entspannt. Warum denn nicht noch mehr konsumieren, wenn es so leicht ist, positive Gefühle hervorzurufen? Das Gehirn gewöhnt sich an die schnelle und wiederkehrende Dopaminausschüttung und baut Rezeptoren ab. Folge, man muss immer mehr konsumieren, um das Belohnungssystem zu befriedigen. Genau so entsteht Sucht,  nichts Neues auf dem Markt, aber die Verfügbarkeit hat ein ganz anderes Ausmaß angenommen. 

Das heißt nicht, dass wir auf Dopamin verzichten müssen, wir müssen unserem Gehirn nur wieder beibringen, Dopamin auf natürliche Weise herzustellen, ohne dass es die Rezeptoren abbaut. Wie immer ist auch hier die Balance wichtig. Sport, soziale Kontakte, im Flow sein … oder NICHTS TUN, das sind natürliche Dopaminquellen. 

Eine Szene im zweiten Teil der Avatar-Reihe zeigt, was ich unter NICHTS TUN verstehe: Kiri, ein junger Avatar, liegt auf einer Wiese und beobachtet die fliegenden Quallenblumen, spürt den Herzschlag von Eywa. Sie denkt nichts, sie tut nichts, sie liegt einfach nur da. 

Wir tun entweder etwas Unproduktives oder etwas Produktives oder irgendetwas dazwischen. Ich bewundere die Menschen, die einfach nur dasitzen und warten können, oder sie sitzen nur, ohne zu warten, einfach sitzen. Meine Englischlehrerin in der fünften Klasse pflegte zu sagen: „Wenn ich sitze, sitze ich“, „wenn ich stehe, stehe ich“, „wenn ich spreche, spreche ich“ und so weiter. Dafür mussten wir unsere Fünf-Minuten-Pausen opfern. Früher dachte ich, dies sei eine Erziehungsmaßnahme, damit wir im Unterricht aufpassten, jetzt weiß ich es besser. Es ging um die Bewusstheit der Tat, einen Seinszustand , weniger Multitasking, mehr Konzentration auf eine Sache. Fokus, Punkt. 

Anderseits brauchen viele Menschen eine weitere Beschäftigung, um sich konzentrieren zu können, nebenbei zeichnen oder irgendetwas in der Hand kneten. Hier funktioniert Fokus anders. Etwas mit den Händen zu tun, hilft uns meist in den Moment zu kommen, im Hier und Jetzt zu sein. Meine Freundin zeigte mir nach unserem Cafédate, ihren Talisman, den sie während des ganzen Gesprächs in ihrer Tasche geknetet hatte. Es half ihr beim Zuhören und Erzählen und ich merkte nichts davon. 

Es kommt natürlich auf die Art der Ablenkung an. Lenken wir uns ab, um uns abzulenken oder lenken wir uns ab, um uns besser fokussieren zu können? Hilft mir diese Beschäftigung oder verstreut sie mich noch mehr? 

Jede/r einzelne muss lernen, wie er/sie tickt, wie die Denkprozesse funktionieren, was ablenkt, was fokussiert, was interessiert, was langweilt. Bin ich fokussiert in Gesellschaft oder eher allein? Wie kann ich mich am besten konzentrieren? Finde heraus, was dich ausmacht, was dich ablenkt, was dich erdet und versuche sooft wie möglich im Moment, im Hier und Jetzt zu sein und dich nicht von künstlich herbeigeführten Dopaminkicks verführen zu lassen. 

Ich glaube fest daran, wenn wir das lernen, verstehen wir Ewya, verstehen wir die Macht der Natur, verstehen wir Einssein. Dann wollen wir nicht mehr zerstören, sondern erschaffen und schöpfen.